Foto: Wolfgang Menzel
Hier wird Licht gemalt.
Und Unbehagen. Beides mit einer
Konsequenz, die nicht zufällig wirkt
– sondern wie das Ergebnis einer
langen, stillen Auseinandersetzung
mit dem, was Bilder eigentlich
können.
In Aquarell, Tusche und Acryl
entsteht eine Kunst zwischen Welten:
leuchtende Stadtgassen aus
ungewohnter Perspektive,
Eislandschaften kurz vor dem Tauen,
ein flammend roter Abendhimmel über
stillen Vorortdächern. Architektur
und Natur werden zu Bühnen – präzise
konstruiert, aber nie kühl. Was
diese Bilder zusammenhält, ist kein
Thema, sondern eine Haltung: die
Überzeugung, dass Licht keine
Dekoration ist, sondern Dramaturgie.
Dass der Moment, in dem Schatten
kippt, mehr erzählt als jede
Erklärung.
Die figurative Arbeit geht noch
einen Schritt weiter. Expressive
Porträts, deren Blick man nicht so
leicht wieder loswird – in Magenta
und Violett getaucht, in Türkis und
Rot zerlegt. Keine Schmeichelei,
keine psychologisierende Distanz.
Stattdessen: Farbe als
Sezierwerkzeug. Der Pinselstrich
bleibt sichtbar, weil er sichtbar
bleiben soll. Die Emotion auch.
Diese Porträts interessieren sich
nicht für Schönheit im üblichen
Sinne – sie suchen etwas
Hartnäckigeres: Präsenz. Die
Fähigkeit eines Gesichts,
zurückzublicken.
Die Arbeiten zeigen, dass hinter dem
Expressiven eine genaue Beobachtung
steckt. Dass die Geste nicht
Kontrolle ersetzt, sondern aus ihr
hervorgeht.
Die Illustratorin gibt Malkurse –
und wer ihr Werk kennt, versteht,
was sie dabei weitergeben kann:
nicht Technik allein, sondern eine
Art zu sehen. Eine Haltung, die
Beobachtung nicht mit Distanz
verwechselt und Präzision nicht mit
Kälte.